Karatedō ( jap. der Weg der leeren
Hand) bzw. Karate ist eine Kampfkunst chinesischen Ursprungs, die
über Okinawa ihren Weg nach Japan fand. Im 20. Jahrhundert fand sie weltweit
Verbreitung. Der Name bedeutet übersetzt etwa (Weg der) leere(n) Hand
und beschreibt einen waffenlosen Nahkampfstil.
Karate ist eine Kampfkunst der Selbstverteidigung, bei der der Körper so trainiert
wird, dass Arme und Beine eine mit Waffen vergleichbare Schlagkraft entwickeln
können. Im Karate werden Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken trainiert.
Hebel, Würfe und Feger können ebenfalls zum Einsatz kommen.
Oberstes Ziel des Karatedō ist die Entwicklung des Charakters:
Nicht der Sieg noch die
Niederlage im Kampf stehen beim Karate im Vordergrund.
Leitspruch der JKA
Geschichte
Name
Karatedō wurde früher meist nur als Karate bezeichnet und ist
unter dieser Bezeichnung noch heute am häufigsten geführt. Der Zusatz dō
wird verwendet, um den philosophischen Hintergrund der Kunst und ihre Bedeutung
als Lebensweg zu unterstreichen. Bis in die dreißiger Jahre hinein war
eine Schreibweise gebräuchlich, die soviel wie chinesische
Hand bedeutet. Damit waren die chinesischen Ursprünge bereits im Namen der
Kampfkunst manifestiert. Aus politischen Gründen (Nationalismus) ging man dann
in Japan dazu über, die Schreibung leere Hand zu
verwenden. Das neue Zeichen wurde wie das alte kara gelesen und war auch
von der Bedeutung her in sofern passend, als im Karate meist mit leeren Händen,
also ohne Waffen gekämpft wird.
Ursprünge
Obwohl die genauen Ursprünge heute nicht mehr genau nachzuvollziehen sind,
weiß man, dass Karate wohl auf den buddhistischen Mönch Daruma Taishi
(Bodhidharma) aus Kanchi Puram (Süd-Indien) zurückgeht.
Er brachte seine Kampfkunstkenntnisse (Varjamushti) nach China. Dort
entwickelte sich über die Jahrhunderte die Kunst des Quan Fa/Chuan-Fa (auch
Wushu), aus dem das heutige Kung-Fu (bzw. japanisch Kempo) mit seinen
verschiedenen Ausprägungen (Kranich-, Tiger- Schlangen-, Leopard- und
Drachenstil) hervorging. Die bekanntesten Vertreter dieser Kampfkunst sind
sicher die Mönche des Shaolin.
Von China nach Okinawa
Karate in seiner heutigen Form entwickelte sich auf der pazifischen Kette
der Ryūkyū-Inseln, dort insbesondere auf der Hauptinsel Okinawa. Die
Insel liegt ca. 600 Kilometer südlich von den japanischen Hauptinseln im
Südchinesischen Meer und ist heute Japans südlichste Präfektur. Bereits im 14.
Jahrhundert unterhielt Okinawa, damals noch unabhängig, rege Handelskontakte zu
Japan, China und Korea. Die urbanen Zentren der Insel, Naha, Shuri und Tomari
waren damals ein großer Umschlagplatz für Waren und boten damit ein Forum für
den regen kulturellen Austausch mit dem chinesischen Festland. Dadurch
gelangten erste Eindrücke chinesischer Kampftechniken nach Okinawa, wo sie
zunächst als Kempo und im Laufe ihrer Weiterentwicklung als Okinawa-Te, Tode
oder auch nur als Te bezeichnet wurden. Te bedeutet wörtlich
soviel wie Hand, im übertragenden Sinne auch Technik bzw. Handtechnik. Der
ursprüngliche Begriff für Karate, Okinawa-Te, kann daher grob als Handtechnik
aus Okinawa übersetzt werden (meint aber natürlich die verschiedenen
Techniken als Ganzes).
Die wirtschaftliche Bedeutung der Inseln führte dazu, dass sie ständig von
Unruhen und Aufständen heimgesucht wurde. Im Jahre 1416 gelang es schließlich
König Sho Shin (auch Sho Hashi) die Inseln zu einigen. Zur Erhaltung des
Friedens in der aufständischen Bevölkerung verbot er daraufhin das Tragen
jeglicher Waffen. Um die einzelnen Regionen zu kontrollieren verpflichtete er
sämtliche Fürsten zum dauerhaften Aufenthalt an seinen Hof in Shuri, eine
Kontrollmöglichkeit die später von den Tokugawa-Shogunen kopiert wurde. Durch
das Waffenverbot erfreute sich die waffenlose Kampfkunst des Okinawa-Te
erstmals wachsender Beliebtheit und viele ihrer Meister reisten nach China um
sich dort durch das Training des chinesischen Chuan-Fa fortzubilden.
1609 besetzte der japanische Satsuma-Clan die Inselkette und deren
Statthalter auf Okinawa, Shimazu, verschärfte das Waffenverbot dahingehend,
dass sogar der Besitz jeglicher Waffen, selbst Zeremonienwaffen, unter schwere
Strafe gestellt wurde. Ungefähr zwanzig Jahre dauerte es, bis sich die großen
Meister des Okinawa-Te zu einem geheimen oppositionellen Bund zusammenschlossen
und festlegten, dass Te nur noch im Geheimen an ausgesuchte Personen
weitergegeben werden sollte.
Währenddessen entwickelte sich in der bäuerlich geprägten Bevölkerung das
Kobudō, das Werkzeuge und Alltagsgegenstände mit seinen speziellen
Techniken zu Waffen verwandelte. Dort gingen teilweise sämtliche spirituellen,
mentalen und gesundheitlichen Aspekte, wie sie im Chuan-Fa gelehrt wurden,
verloren. Auf Effizienz ausgelegt, wurden Techniken, die unnötiges Risiko
bargen, wie beispielsweie Fußtritte im Kopfbereich, nicht trainiert.
Kobudō und seine Waffen konnten schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht
verboten werden, da sie für die Versorgung der Bevölkerung sowie der Besatzer
schlicht notwendig waren. Allerdings war es sehr schwer mit diesen Waffen einem
ausgebildeten und gut bewaffneten Krieger im Kampf gegenüberzutreten. Deshalb
entwickelte sich in Te und Kobudō, die damals noch eng miteinander
verknüpft gelehrt wurden, die Maxime möglichst nicht getroffen zu werden und
gleichzeitig die wenigen Gelegenheiten, die sich boten zu nutzen, den Gegner
mit einem einzigen Schlag zu töten.
Die tödliche Wirkung dieser Kampfkunst führte dazu, dass die japanischen
Besatzer erneut das Verbot ausdehnten, und das Lehren von Okinawa-Te ebenfalls
unter drakonische Strafe stellten. Allerdings wurde es weiterhin im Geheimen
unterrichtet. Damit wurde die Kenntnis des Te für lange Zeit auf kleine elitäre
Schulen oder einzelne adelige Familien beschränkt, da die Möglichkeit zum
Studium der Kampfkünste auf dem chinesischen Festland nur wenigen begüterten
Bürgern,Adeligen zur Verfügung stand.
Weil die Kunst des Schreibens in der Bevölkerung damals kaum verbreitet war,
und man aus Geheimhaltungsgründen dazu gezwungen war, wurden keinerlei
schriftliche Aufzeichnungen angefertigt. Man verließ sich auf die mündliche
Überlieferung und die direkte Weitergabe und begann zu diesem Zweck, die zu
lehrenden Techniken in didaktischen zusammenhängenden Einheiten zu festgelegten
Abläufen oder Formen zu bündeln. So entwickelten sich die Kata des Okinawa-Te und
wurden zum hauptsächlichen Medium der Tradition des Karate.
Der erste noch namentlich bekannte Meister des Te war vermutlich Chatan
Yara, der etliche Jahre in China lebte und dort die Kampfkunst seines Meisters
erlernte. Der Legende nach unterrichtete er wohl "Tode" Sakugawa,
einen Schüler von Peichin Takahara. Auf Sakugawa geht eine Variante der Kata
Kushanku, benannt nach einem chinesischen Diplomaten, zurück. Der bekannteste
Schüler Sakugawas war "Bushi" Sokon Matsumura, der später sogar den
Herrscher von Okinawa unterrichtete.
Zwanzigstes Jahrhundert
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Karate stets im Geheimen geübt und
ausschließlich von Meister zu Schüler weitergegeben. Während der
Meiji-Restauration wurde Okinawa im Jahre 1875 offiziell zu einer japanischen
Präfektur erklärt. In dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in der sich
die okinawanische Bevölkerung den japanischen Lebensgewohnheiten anpasste und
Japan sich nach jahrhundertelanger Isolierung wieder der Welt öffnete, begann
Karate wieder stärker in die Öffentlichkeit zu drängen.
Der Kommissar für Erziehung in der Präfektur Okinawa, Ogawa Shintaro, wurde
1890 während der Musterung junger Männer für den Wehrdienst auf die besonders
gute körperliche Verfassung einer Gruppe junger Männer aufmerksam. Diese gaben
an, auf der Jinjo Koto Shogakko (Jinjo Koto Grundschule) im Karate
unterrichtet zu werden. Daraufhin beauftragte die Lokalregierung den Meister
Yasutsune Itosu damit, einen Lehrplan zu erstellen, der unter anderem einfache
und grundlegende Kata (Pinan oder Heian) enthielt, aus denen er Taktik und
Methodik des Kämpfens weitgehend entfernte und den gesundheitlichen Aspekt wie
Haltung, Beweglichkeit, Gelenkigkeit, Atmung, Spannung und Entspannung in den
Vordergrund stellte. Karate wurde dann 1902 offiziell Schulsport auf Okinawa.
Dieses einschneidende Ereignis in der Entwicklung des Karate markiert den
Punkt, an dem das Erlernen und Üben der Kampftechnik nicht mehr länger nur der
Selbstverteidigung diente, sondern auch als eine Art Leibesertüchtigung
angesehen wurde.
Nach Beginn des Jahres 1900 erfolgte von Okinawa aus eine Auswanderungswelle
nach Hawaii. Dadurch kam Karate erstmals in die USA, die Hawaii 1898 annektiert
hatten.
Gichin Funakoshi, ein Schüler der Meister Yasutsune Itosu und Anko Asato,
tat sich bei der Reform des Karate besonders hervor: Auf der Grundlage des Shorin-Ryū
(auch Shuri-Te nach der Ursprungsstadt) und des Shorei-Ryū (Naha-Te)
begann er Karate zu systematisieren. Er verstand es neben der reinen
körperlichen Ertüchtigung auch als Mittel zur Charakterbildung.
Neben den genannten drei Meistern war Kanryo Higaonna ein weiterer
einflussreicher Reformer. Sein Stil integrierte weiche, ausweichende
Defensivtechniken und harte, direkte Kontertechniken. Seine Schüler Chojun
Miyagi und Kenwa Mabuni entwickelten auf dieser Basis die eigenen
Stilrichtungen Gōjū-Ryū bzw. Shito-Ryū, die später große
Verbreitung finden sollten.
In den Jahren von 1906 bis 1915 bereiste Funakoshi mit einer Auswahl seiner
besten Schüler ganz Okinawa und hielt öffentliche Karate-Vorführungen ab. In
den darauffolgenden Jahren wurde der damalige Kronprinz und spätere Kaiser
Hirohito Zeuge einer solchen Aufführung und lud Funakoshi, der bereits
Präsident einer okinawanischen Kampfkunstvereinigung war, ein, bei einer
nationalen Budō-Veranstaltung 1922 in Tōkyō sein Karate in einem
Vortrag zu präsentieren. Dieser Vortrag erfuhr großes Interesse und Funakoshi
wurde eingeladen, seine Kunst im Kodokan praktisch vorzuführen. Die
begeisterten Zuschauer, allen voran der Begründer des Jūdō, Jigoro
Kano, überredeten Funakoshi am Kodokan zu bleiben und zu lehren. Zwei Jahre
später, 1924, gründete Funakoshi sein erstes Dōjō.
Über die Schulen kam Karate auch bald zur sportlichen Ertüchtigung an die
Universitäten, wo damals zum Zwecke der militärischen Ausbildung bereits
Jūdō und Kendō gelehrt wurden. Diese Entwicklung, die die
okinawanischen Meister zur Verbreitung des Karate billigend in Kauf nehmen mussten,
führte zur Anerkennung von Karate als "nationale Kampfkunst" und war
damit endgültig japanisiert.
Nach dem Vorbild des bereits im Jūdō etablierten Systems wurde im
Laufe der dreißiger Jahre dann der Kimono oder Karate-Gi sowie die
hierarchische Einteilung in Schüler- und Meistergrade, erkennbar an
Gürtelfarben, im Karate eingeführt; mit der auch politisch motivierten Absicht
eine stärkere Gruppenidentität und hierarchische Struktur zu etablieren.
Aufgrund seiner Bemühungen wurde daraufhin Karate an der Shoka-Universität,
der Takushoku-Universität, der Waseda-Universität und an der Japanischen
Medizinischen Hochschule eingeführt. Das erste offizielle Buch über Karate
wurde von Gichin Funakoshi unter dem Namen Ryu Kyu Kempo Karate im Jahre
1922 veröffentlicht. Es folgte 1925 die überarbeitete Version Rentan Goshin
Karate Jutsu. Sein Hauptwerk erschien unter dem Titel Karate Do Kyohan 1935 .( diese Version wurde 1958 noch einmal um die
karatespezifischen Entwicklungen der letzten 25 Jahre erweitert.)Sein
"Hauptwerk" erschien unter dem Namen "Karate-do Ichi-ro"
(Karate-do - mein Weg), in dem er sein Leben mit Karate schildert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde durch Funakoshis Beziehungen zum
Ausbildungsministerium, Karate als Leibeserziehung, und nicht als kriegerische
Kunst eingestuft, was es ermöglichte, Karate auch nach dem Zweiten Weltkrieg
zur Zeit der Besatzung in Japan zu lehren.
Über Hawaii sowie die amerikanische Besatzung Japans und insbesondere
Okinawas fand Karate im Laufe der fünfziger und sechziger Jahre als Sportart
zunächst in den USA und dann auch in Europa eine immer stärkere Verbreitung.
Aus der nach Funakoshi bzw. dessen schriftstellerischen Pseudonym Shoto
benannten Schule Shotokan ging die erste international agierende Karate Organisation,
die JKA hervor, die noch heute einer der einflussreichsten Karateverbände der
Welt ist. Funakoshi und die übrigen alten Meister lehnten die
Institutionalisierung und Versportlichung sowie die damit einhergehende
Aufspaltung in verschiedene Stilrichtungen gänzlich ab.
1954 gründete Henry Plee in Paris das erste europäische
Budō-Dōjō. Ein Deutscher Jūdōka namens Jürgen Seydel
kam auf einem Jūdō-Lehrgang in Frankreich erstmals in Kontakt mit
Karate beim Meister Murakami, den er begeistert einlud auch in Deutschland zu
lehren. Aus den Teilnehmern dieser Lehrgänge, entwickelte sich zunächst
innerhalb der Jūdō-Verbände eine Unterorganisation, die Karate lehrte
und aus der schließlich im Jahre 1961 der erste Deutschen Dachverband der
Karateka, der Deutsche Karate Bund hervorging.
Der erste Karateverein in Deutschland wurde 1957 von dem Karate-Pionier
Jürgen Seydel unter dem Namen Budokan Bad Homburg in Bad Homburg gegründet. Die
größte Ausbreitung des Karate in Deutschland erfuhren die Organisationen in den
siebziger, achtziger und neunziger Jahren in denen der Deutsche Karate Verband
(DKV) die Karatetreibenden jeglicher Stilrichtung als Dachorganisation verband.
Etikette
Jedes Karatetraining beginnt und endet traditionell mit einer kurzen
Meditation (黙想, mokusō). Danach wird eine rituelle
Grußzeremonie (Rei) durchgeführt, in der sich Schüler und Meister voreinander
und vor den alten Meistern und Vorfahren (im Geiste, repräsentiert an der
Stirnseite, dem Shōmen des Dōjō) verneigen. Wie in allen anderen
Dō-Künsten üblich wird im Umgang der strenge Kodex des Reishiki und das
Dōjōkun beachtet.
Kleidung
Jeder Karateka trägt ein Karate-Gi, bestehend aus einer einfachen an der
Hüfte geschnürten weißen Hose, Zubon, früher bestehend aus Leinen, heute
aus Baumwolle und einer Jacke, Uwagi genannt, aus dem gleichen Material.
Gehalten wird die Jacke (meist neben einer leichten Schnürung) durch einen
gefärbten Gürtel, dem Obi.
Graduierung
In Graduierungen wird zwischen den Kyū- und den Dan-Graden
unterschieden. Während letztere die Meisterstufe bezeichnen, stellen die
Kyū-Grade die Stufen der Schüler dar. Jeder dieser Stufen wird eine
Gürtelfarbe zugeordnet. Der 9. Kyū ist hierbei die unterste Stufe. Das
Problem der Gürtelfarben ist, dass die verschiedenen Vereine und Verbände
verschiedene Gürtelfarben haben. Daher ist dies nur ein Muster, welches aus
einem bestimmten Dojo (Trainingsraum) stammt. Viele der Gürtelfarben sind auch
eine Erfindung des modernen Karate, insbesondere in westlichen Ländern. Viele
Verbände verfolgen damit neben der beabsichtigten Motivation der Mitglieder
auch monetären Interessen, denn für jede abzulegende
Prüfung wird eine Gebühr erhoben.
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9. Kyu (weiß) |
8. Kyu (gelb) |
7. Kyu (orange) |
6. Kyu (grün) |
5. Kyu (blau) |
4. Kyu (violett/blau) |
3. Kyu (braun) |
2. Kyu (braun) |
1. Kyu (braun) |
1. Dan, 2. Dan, 3. Dan ...
(schwarz) |
Prüfungen
Zum Erlangen eines höheren Schüler- bzw. Meistergrades werden Prüfungen nach
einem festen Programm und einer Wartezeit, je nach Kyu- und Dan-Graden verschieden,
abgelegt. Die Programme der Prüfungen können sich allerdings von Verband zu
Verband oder sogar in jedem einzelnen Dōjō unterscheiden. Das Ablegen
der Prüfungen wird heute als Ansporn und Bestätigung des Erreichten, ähnlich
wie in unserem Schulsystem, angesehen. Es wird auf Haltung, Aufmerksamkeit,
korrekte Ausführung der Technik, Kampfgeist, Konzentration und Willen geachtet.
Der Gesamteindruck entscheidet. Die höheren Meistergrade (meist ab dem 5. Dan)
können nicht mehr durch Prüfungen erreicht werden, sondern werden aufgrund
besonderer Leistungen und Verdienste von der jeweiligen Organisation verliehen.
Philosophie
Karate hat einen spirituellen Kern, aus religiösen Elementen des Zen und des
Taoismus. Außerdem ist es stark beeinflusst vom Bushidō (Weg des
Kriegers), dem Kodex der Samurai.
Meditation
Zum besseren Verständnis des spirituellen Wesens des Karate ist auch
das Studium des chinesischen Taijiquan sehr geeignet, das sowohl als
ganzheitliche Meditation als auch als Kampfkunst (z. B. mit dem Schwert)
betrieben werden kann.
Die Wiederholung der Bewegungen, in Kihon und Kata wird von manchen Meistern
als Meditation betrachtet. Das Ki, also die Energie des Körpers, das
Bewusstsein, das sich beispielsweise in Koordinations- und Reaktionsvermögen
äußert, sollen durch körperlich anstrengende, konzentrierte und dynamische
Bewegungen gestärkt werden. Bei der Aufwärmgymnastik werden in manchen Schulen
auch Bestandteile von Yogaübungen praktiziert.
Dō
Das Prinzip des Dō findet sich in allen japanischen Kampfkünsten wieder
und ist unmöglich umfassend zu beschreiben. Dō ist die japanische
Lesart des chinesischen Tao, das mit dem gleichen Zeichen geschrieben
wird. Es bedeutet Weg; nicht nur im wörtlichen Sinne also Straße,
sondern auch mit der übertragenen Bedeutung des Lebensweges, der Lebenseinstellung.
Dahinter stehen einerseits das taoistisch-schicksalhafte Prinzip, dass das Tao,
der Weg, vorgezeichnet ist und die Dinge in ihrer Richtigkeit vorbestimmt;
sowie die Einstellung des Nichtanhaftens und der Nichtabhängigkeit von allen
Dingen, Gegebenheiten und Bedürfnissen, die im Zen-Buddhismus gelehrt wird. Der
Kodex des Bushidō geht noch weiter: Der Krieger der Bushidō
verinnerlicht hat, befreit sich damit nicht nur von allen materiellen
Bedürfnissen, sondern von dem Begehren um jeden Preis zu leben. Das Ende des
eigenen Lebens wird damit nicht unbedingt erstrebenswert, aber auf jeden Fall
eine zu akzeptierende Tatsache und der Tod birgt keinen Schrecken mehr. Diese
Haltung war im alten Japan eine hochangesehene geistige Einstellung, die sich
in vielen martialischen Verhaltensweisen wie dem Seppuku manifestierte. Dies
darf jedoch auf keinen Fall als Geringschätzung gegenüber dem eigenen Leben
oder dem eines anderen aufgefasst werden. Im Gegenteil: Die Aufopferung des
eigenen wertvollen Lebens wog vielmehr jede Schmach auf, die ein Krieger zu
Lebzeiten auf sich geladen hatte. Das Seppuku, also der rituelle Selbstmord,
befreit den Krieger von Schuld und Schande und stellte seine Ehre wieder her.
Das Dō-Prinzip impliziert nun viele verschiedene Konzepte und
Verhaltensweisen, die nicht abschließend aufgezählt werden könnten. Deshalb
hier nur einige wenige Aspekte:
- den Weg gehen:
lebenslanges Lernen und Arbeiten an sich selbst; ständige Verbesserung
- Friedfertigkeit,
Friedenswille, aber auch
- Geradlinigkeit; absolute
Entschlossenheit im Kampf
("Tue alles, um eine
Auseinandersetzung zu vermeiden. Kommt es aber trotzdem zum Kampf, so soll Dein
erster Schlag töten.")
- Respekt und damit Höflichkeit
gegenüber jedem Individuum und Ding, auch dem Feind
- Weg-Gemeinschaft mit
Meister und Mitschülern, Brüderlichkeit, verantwortungsvolles Handeln
- Selbstbeherrschung,
universelle Aufmerksamkeit (Achtsamkeit), Konzentration (Zanshin, 残心)
- Offenheit, Bemühen um
Verständnis, Akzeptanz
- Nicht-Streben
Olympische Spiele
Karate ist keine olympische Disziplin. Allerdings ist es in die Liste der
olympischen Spiele aufgenommen worden. Viele Verbände, u. a. der DKV, haben
begonnen, alte Wettkampfformen und das Punktesystem zu verändern, um so den
Karatewettkampf für die Olympischen Spiele vermeintlich "populärer"
zu machen. Viele der alten Meister waren allerdings dem Wettkampfgedanken beim
Karate sehr wenig zugetan; und so sind auch heute noch viele der Meinung, dass
eine Aufnahme in den Olympischen Kanon eine weitere Versportlichung und den
Verlust vieler althergebrachter Werte des Karatedō mit sich brächte. Daher
wird die Aufnahme in die Reihe der olympischen Sportarten von sehr vielen Karateka äußerst skeptisch gesehen.
Stilrichtungen
Die vier großen Stilrichtungen im Karate sind
- Shotokan,
- Gojo-Ryu,
- Wado-Ryu und
- Shito-Ryu.
Daneben gibt es noch eine unüberschaubare Anzahl an kleineren
Stilrichtungen, die teilweise nur in bestimmten Ländern, teilweise aber auch
weltweit verbreitet sind. Jede Stilrichtung hat ihren Focus auf verschiedenen
Aspekten des Karate. So können Stile mehr auf Selbstverteidigung, Wettkampf,
Fitness, Tradition oder auf andere Punkte Wert legen.
- Chito-Ryu
- Doshinkan
- Hon-Do-Ryu
- Kempo Karate
- Koudo Gishi Risei
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- Kyokushin-Kai
Karate
- Modern Sports
Karate
- Murakamikai
- Sankukai
- Shidokan
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- Shito-Ryu
- Shorin-Ryu Kyudokan
- Shorin-Ryu Seibukan
- Shorin-Ryu Siu Sin
Kan
- Shotokai
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- Shōtōkan
Fudoshin-Ryu
- Shudokan
- Tsunami Karate
- Uechi-Ryu
- Yoshukai
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Die vier großen
Stilrichtungen
Shōtōkan
Funakoshi Gichin, geboren 1868 in Shuri auf Okinawa und ursprünglich als
Hauptschullehrer tätig, wird heute als Begründer des Shōtōkan-Karate
angesehen. Sein Stil basiert auf Matsumuras Shorin Ryū. Shōtō
war Funakoshis Künstlername und bedeutet Pinienrauschen - seine erste
eigene Trainingshalle (im Frühjahr 1935 in Tōkyō eingeweiht) wurde
aus diesem Grund Shōtōkan genannt. Diese Bezeichnung wurde
später für seinen Karate-Stil übernommen. Funakoshi's Zielsetzung war:
- Schulung von Geist,
Charakter und innerer Einstellung. „Bevor du den Gegner besiegst, musst
du dich selbst besiegen.“
- „Man kann sehr sehr
lange trainieren, aber wenn man immer nur Hände und Füße bewegt und wie eine
Marionette umherspringt, dann ist Karate nicht anders als Tanzen lernen.
Man wird die Hauptsache verfehlen. Es wird so nicht gelingen, die
Quintessenz des Karate-do zu begreifen.“ - Funakoshi Gichin, J. Hyams
(1979, 87)
- Wichtig war ihm außerdem
auch der Selbstverteidigungsaspekt des Karate. Von Funakoshi stammt die im
heutigen Wettkampfkarate kaum mehr beachtete Maxime: „Im Karate gibt es
keine erste Hand." (D.h. ein Karateka soll niemals, auch nicht
präventiv, zuerst angreifen.)
Funakoshis dritter Sohn Yoshitaka Giko entwickelte 1938-1945 als
Hauptlehrer im Shōtōkan-Dōjō tiefere und längere Stellungen
und ab 1943 Gohon-Kumite, Sanbon-Kumite und Ippon-Kumite. Insgesamt ein
dynamischerer und kämpferischerer Stil. Außerdem den Mawashi-Geri, Yoko-Geri-Kekomi,
Yoko-geri-Keage, Ura-Mawashi-Geri und Fumi-Komi. Kase Taiji Sensei entwickelte
den Ushiro-Geri und den Keiten-Geri.
Professor Nakayama Masatoshi (1913-1987), Schüler von Gichin Funakoshi,
studierte 1937-1946 unter anderem in China Kampfkünste. Er gründete 1949 an der
Takushoku-Dai Universität mit Nishiyama und Takagi die Japan Karate Association
JKA ( Nihon Karate Kyōkai).
Nakayama entwickelte das Jiyu-Kumite welches später die Grundlage für den
Wettkampf im Shôtôkan-Karate darstellte. Die spezielle Form des Kumite
ermöglichte eine realistischere Kampfsimulation und eine gute Grundlage für die
strategische Analyse, die auch zur Verbesserung der Selbsteinschätzung führte.
Die korrekte Ausführung der Techniken wurde durch die Schiedrichter
kontrolliert. Nach dem Krieg war Nakayama Direktor der sportwissenschaftlichen
Fakultät der Takushoku-Universität in Tokyo. So kam es erstmals zu einer
wissenschaftlichen Aufarbeitung des Karate. Standardwerke wie das reich
bebilderte „Dynamic Karate“ und die mehrbändige Buchserie „Karate-Perfekt“
entstanden. Sportwissenschaftliche Zusammenarbeit mit Okazaki Teruyuki (* 1931)
damals in der JKA, an der Universität von Long Island in New York. Entwicklung
von Wettkampfregeln 1951 an der Waseda-Universität mit Oshima. Mitglieder der
JKA waren u.a. Kase Taiji, Kanazawa Hirokazu, Enoeda Keinosuke, Tsuyama
Katsunori, Shirai Hiroshi, Yahara Mikio, Kawasoe Masao, Tanaka Masahiko, Abe
Keiko, Asai Tetsuhiko.Nach dem Tode Funakoshis spalteten sich die Anhaenger
Funakoshis in zwei Gruppen. Eine ist die Japan Karate Kyokai, die andere die
Shotokai von Egami. Egami Shigeru (1912-1981), mehr Mystiker, Schüler
Funakoshis, lehnte Nakayamas Weg als zu sportlich ab und gründete 1958 das
Shotokai Karate. Shotokai Karate veranstaltet keine Wettkämpfe. Die Katas sind
mit den Shōtōkan-Katas weitgehend identisch. Nach der Abspaltung der
JKA veränderte Egami sein Karatekonzept, das sich bisher an Yoshitaka
Funakoshis Auffassung anlehnte, wobei er beeinflusst wurde vom Aikido, Tai Chi
Chuan, und Qigong. Heute zeigt sich das Shotokai mit extrem tiefen Stellungen,
die zur Selbstverteidigung ungeeignet erscheinen. Hier unterscheidet sich die
Shotokai stark vom dynamischen Karate der JKA unter Nakayama, die heute
versucht zu ihren Wurzeln zurückzukehren.
Kanazawa Hirokazu (* 1931), gründete 1974 mit den Meistern Asano Shiro,
Miura Masuru, Nagai Akio, Kawasoe Masao und Koga Rikuta die Shōtōkan
Karate International SKI.
Kase Taiji (*1929-2004)), gründete 1989 mit Meister Shirai Hiroshi die WKSA
in Mailand, die 1999 in die Shotokan-Ryu-Kase Ha Instructor Academy überging.
Nach Nakayamas Tod konnte er sich mit der immer weiter um sich greifenden
Versportlichung des Karate-Dō innerhalb der JKA nicht mehr identifizieren.
Am 24. November 2004 starb Shihan Kase.
Gōjū-Ryū
Der Naha-Te Stil (die Hand von Naha), entwickelt von Higaonna (1853–1917),
bildete die Basis des Gojū Ryū Karate. Er studierte dort lange
Chinesisches Kempo. Miyagi (1888–1953) gab dann dem Gōjū-ryu Stil den
letzten Feinschliff. Der Name setzt sich aus den Silben gō ( hart) und jū ( weich) zusammen
und wird seit 1929 benutzt. Ursprung der philosophischen Bedeutung: "Alles
im Universum atmet hart und weich" (Bubishi. 1940 wurde die
Entwicklung des Gōjū Ryū als Stil abgeschlossen, indem Miyagi
die von ihm entwickelten Kata Gekkisai-dai-ichi und Gekkisai-dai-ni einbrachte.
Wado-Ryū
Wado-Ryū wurde von Sensei Hironori Ōtsuka (1892-1982) 1934
gegründet.
Durch die Einflüsse des Shindo Yoshinryu Jiu Jitsu Kempo sind die Bewegungen
kleiner, die Stellungen kürzer und im Kumite werden vor allem
Ausweichbewegungen geübt, direkte Konter, aber auch Hebel und Würfe angewandt.
In der Kata sind gegenüber Shōtōkan die größten Unterschiede
festzustellen. Wado Ryū Katas haben ein leichteres, weniger kraftvolles
Erscheinungsbild sind ökonomisch in der Bewegung,
verlieren dadurch jedoch nicht die Wirksamkeit in der Technik. Diesem Prinzip
entsprechend liegt im Wado Ryū der Hauptakzent auf die Bewegung des
Körpers (tai sabaki).
Shito Ryu
Dieser Stil wurde von Kenwa Mabuni gegründet und ist das umfangreichste
"crossover" das es im Karate gibt. Alle möglichen Einflüsse nicht nur
okinawanisch sondern auch chinesische Konzepte sind in diesem Stil
zusammengeführt. Begründet liegt dies darin das Kenwa Mabuni zwei Meister hatte
Kanryo Higa-shi-onna und Yasutsune Ito-su. Mabuni ehrte beide
Meister dadurch das er jeweils aus einer Silbe der
Namen seiner Meister seine Stilrichtung benannte. Somit wurden Elemente des
Shorin-ryu (Itosu) mit Shorei-ryu Elementen (Higashionna) verbunden. Besondere
Katas die in den anderen Stilrichtungen nicht trainiert werden und deren
Ursprung der chinesische Kranich Stil ist sind Hakutsura und Nipaipo. Neben
diesen Katas entwickelte Mabuni Aoyagi Juroku und Myojo.
Training
Das Training des Geistes, des Charakters und der inneren Einstellung sind
Hauptziele im Karate. Dies wird auch durch den Leitspruch der Japan Karate
Association (JKA) dargelegt:
Oberstes Ziel in der Kunst des
Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern liegt in der Vervollkommnung des
Charakters des Ausübenden.
Eine weitere Grundregel im Karate lautet
Karate ni sente nashi, was soviel
bedeutet wie: Es gibt keinen Initialangriff im Karate.
Damit ist nicht das Training oder der Wettkampf gemeint, da ernsthafte
Angriffs-Simulationen zu allen Budō-Künsten gehören. Der Satz verdeutlicht
vielmehr den Kodex des Karatedō im täglichen Leben.
Das Karatetraining baut auf drei großen Säulen auf, dem Kihon, dem Kumite
und der Kata:
Kihon
Kihon heißt Grundlage
oder Quelle, Ursprung (des Könnens) und wird häufig auch
als Grundschule des Karate bezeichnet. Es umfasst die grundlegenden
Techniken, die das Fundament des Karate bilden. Die einzelnen Techniken werden
immer wiederholt, entweder langsam oder schnell, kraftvoll oder leicht/locker.
Der Bewegungsablauf der einzelnen Technik wird in alle Bestandteile zerlegt und
es wird versucht die Ideallinie der Bewegung zu finden, wobei es immer etwas zu
optimieren gibt. Der Bewegungsablauf muss optimal verinnerlicht werden -
reflexartig abrufbar, da für Denken, Planen und Handeln in einem realen Kampf
zu wenig Zeit ist. Einatmung, Ausatmung, maximale Anspannung des ganzen Körpers
im Zielpunkt. Kraftzentrum und Schwerpunkt liegen im Hara (ca. 2 cm unter dem
Bauchnabel). Eine gute Gleichgewichtsbalance ist erstrebenswert und der innere
Schwerpunkt muss gefunden werden. Die Haltung soll aufrecht sein.
Kumite
Kumite bedeutet wörtlich verbundene Hände und meint das Üben
bzw. den Kampf mit einem (selten mehreren, siehe Bunkai) Gegnern.
Es gibt verschiedene Formen des Kumite die mit steigendem Anspruch von einer
einzigen, abgesprochenen, mehrfach ausgeführten Technik bis hin zu freien Kampf
in ihrer Gestaltung immer offener werden:
Bei Verteidigungstechniken werden hauptsächlich die Arme zu Blocktechniken
verwendet. Würfe, Hebel, harte, weiche Blockbewegungen oder auch nur
Ausweichen, meist in Kombination mit Schritt- oder Gleitbewegungen. Eine
Blockbewegung kann auch als Angriffstechnik ausgeführt werden. Ein sehr gutes
"Auge" vorausgesetzt, wird dazu der Angriff des Gegners im Ansatz mit
einer Abwehrbewegung oder einem Gegenangriff ('deaii', gleichzeitig)
gestoppt.
Beim Angriff wird versucht, die ungedeckten Bereiche bzw. durch die Deckung
hindurch den Gegner zu treffen. Es soll möglichst mit absoluter Schnelligkeit
und mit höchster Vorspannung, konzentriert angegriffen werden. Der Kraftpunkt
liegt am Zielpunkt der Bewegung. Erhöhter Krafteinsatz während der Bewegung
führt zu Schnelligkeitsverlusten. Das Prinzip der Angriffstechnik gleicht dem
des Pfeiles eines Bogenschützen bei Schlag- und
Stoßtechniken und dem einer Peitsche bei geschnappten Techniken.
Yakusoku-Kumite
(abgesprochenes Kumite) ist die erste Stufe der am Partner/Gegner
angewandten Technik. Dabei folgen beide Partner einem vorher festgelegten
Ablauf von Angriff- und Verteidigungstechniken, die in der Regel im Wechsel
ausgeführt werden. Ziel dieser Übung ist es, die Bewegungen des
Partners/Gegners einschätzen zu lernen, sowie die eigenen Grundschul-Techniken
in erste Anwendung zu bringen, ein Gefühl für Distanz und Intensität zu
erhalten.
Randori
(Unruhen/Ungeordnetes abfangen) ist eine freie Form des
Partnertrainings, bei der es darum geht ein Gespür für den Fluß eines Kampfes,
der Bewegungen und der eingesetzten Energie zu bekommen. Dabei ist es nicht
zielführend, wie im Kampf Treffer um jeden Preis zu vermeiden, sondern es ist
ausdrücklich erwünscht, daß die Trainierenden Treffer bei gut ausgeführten
Angriffen auch zulassen. Es sind keine Vorgaben bezüglich der einzusetzenden
Techniken gemacht. Die Übenden sollen vielmehr das spontane Handeln aus den
sich ergebenden Situationen erlernen. Das Randori sollte locker und gelassen
sein, einen freien Fluss der Techniken ermöglichen und keinen
Wettkampfcharakter annehmen.
(Frei-)Kampf
Der Freikampf imitiert entweder reale Selbstverteidigungssituationen oder
dient dem Wettkampf bzw. dessen Vorbereitung. Im Freikampf kommen Taktiken des
Sen no Sen und Go no Sen zur Anwendung.
Kennzeichnend im "traditionellen" Karate ist der
beabsichtigte Verzicht auf Treffer-Wirkung am Gegner. Absolut notwendig
ist die Fähigkeit, Angriffstechniken vor dem Ziel, (Körper des Gegners)
mit einer "starken" Technik zu arretieren, da ohne Hand- und Kopfschutz
geübt wird. Treffer-Wirkung ist ein Regelverstoß. "Schwache"
Techniken führen zu keiner Wertung.
Vollkontakt-Karate-Kampfsysteme gestatten und beabsichtigen in der
Wettkampfordnung die Trefferwirkung. Viele dieser Stilrichtungen verwenden dazu
auch Schutzausrüstungen wie Kopf- und Gebißschutz sowie einen speziellen
Handschuh der die Fingerknöchel und den Handrücken polstert. Wird der Freikampf
als Wettkampf durchgeführt so gibt es feste Regularien die beispielsweise Würfe
über Hüfthöhe, Tritte zum Kopf, sowie Techniken gegen den Genitalbereich oder
mit offener Hand zum Hals geführte Schläge aus Sicherheitsgründen verbieten.
Ohne Handschuhe sind Angriffe mit den Händen oder Fäusten zum Kopf verboten,
wie im Kyokushin-Kai, oder es werden komplette Schutzausrüstung mit Helm,
Weste, Tiefschutz, Unterarm- und Schienbeinschoner und ev. ein Spannschutz
verwendet, wie auch im Taekwondo.
Kata
bedeutet Form oder Schablone. Eine Kata ist ein stilisierter
und choreographierter Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner, der einem
festgelegten Muster im Raum, Embusen genannt, folgt. Verschiedene
Stilrichtungen üben im allgemeinen verschiedene Kata,
jedoch gibt es auch viele Überschneidungen, Varianten und unterschiedliche
Namensgebung. Kata entwickelten sich wie bereits im Abschnitt Geschichte
erwähnt zur komprimierten Weitergabe der Techniken einer Schule oder eines
einzelnen Meisters ohne die Notwendigkeit schriftlicher Aufzeichnung.
Die vier Elemente der Kata
Bunkai
(Analyse, Zerlegung) bezeichnet die Analyse der einzelnen fest
vorgeschriebenen Bewegungen einer Kata, wie sie in der entsprechenden Schule
gelehrt werden. Die dabei betrachtete Form der Kata bezeichnet man als das
Genki oder Basis-Modell. Dieses bezeichnet die Urform bzw. den Ursprung
der Kata.
Ōyō
(Anwendung) verlässt das Genki Modell indem dem Übenden individuelle
Modifizierungen innerhalb der vorgeschriebenen Katabewegungen erlaubt werden.
Manche Bunkai Techniken berücksichtigen z.B nicht den Größenunterschied
zwischen Tori und Uke. Einer der beiden Partner modifiziert die Technik auf
eine andere Schlag oder Trittstufe als die durch die Kata fest vorgegebene.Der
Karateka modifiziert und optimiert die Kata auf seine Körpergrösse und verlässt
damit das Genki Modell.
Henka
(Variation). Die Ausführung der Kata und Ihr Ausdruck werden trotz
absolut gleichen Begegungsabläufen der Ausführenden niemals gleich aussehen.
Die Akzentuierungen innerhalb der Bewegungsabläufe, die eingesetzte Kraft in
den Einzeltechniken, die individuelle koordinative Befähigung, die Gesamtkonstitution
und viele weitere Aspekte bewirken das eine Kata von zwei Karatekas vorgetragen
niemals gleich sein kein. Henka beschreibt wie der Ausführende die Kata
präsentiert und auch wie er sie sieht.
Kakushi
(versteckt). Jede Kata beinhaltet Omote ( Oberfläche,
den sichtbaren Teil) und Okuden (die Esoterik oder den unsichtbaren
Teil). Kakushi beschäftigt sich mit Techniken die zwar immer im Genki Modell
vorhanden sind aber im Verborgenen schlummern, da sie nicht offensichtlich
sind. Diese scherzhaft als "Supertechnik" bezeichneten Inhalte
eröffnen sich nur wenn der Meister auf diese verweist. In traditionell
ausgerichteten Dojo werden diese Techniken nur den Uchi-deshi vermittelt.
Kakushi wird traditionell ab dem 4. Dan vermittelt, da dieser auch als Dan des
technischen Experten bezeichnet wird.
Andere Trainingsformen
Makiwaratraining
Ein Makiwara ist ein im Boden oder an der Wand fest verankertes
Brett, aus elastischem Holz, z.B. Esche oder Hickory, mit Stoff, Leder o.ä.
umwickelt, auf das man schlägt und tritt. Die Elastizität des Holzes verhindert
einen harten Rückstoß in die Gelenke. Die Verletzungsgefahr, Hautabschürfungen
und Gelenkversetzungen, ist am Anfang recht hoch.
Dieses Training fördert den Knochenaufbau der Unterarme. Die Armknochen
bestehen aus fast holen Knochen, die durch diese Trainingsform gestärkt werden.
Durch die Belastung des zurückfedernden Makiwara, bei einen Schlag oder Tritt,
werden diese Stellen, vom Körper „verdickt“, es lagert sich also mehr Calcium
in dem Knochen an. Dieser wird dadurch härten.
Kimetraining
Um das Kime zu trainieren wird zunächst die Muskulatur geschwächt. Mit
dieser Schwächung wird der Körper gezwungen, die Technik so effizient wie
möglich auszuführen. Beispiele für ein Kimetraining und die Vorrangehende Schwächung
wären:
- Handstandliegestütze an
der Wand - Tsuki-Training
- Hockstrecksprünge -
Mae-Geri-Training
Film und Medien
Die Darstellung von Karate in amerikanischen Filmproduktionen niedriger Qualität
hat dem Karate seit jeher ein schlechtes Image
verpaßt. Obwohl die positiven Helden durchweg Karate oder eine ähnliche
Kampfkunst verwenden, um die Bösen zu besiegen, bleibt doch häufig ein schaler
Nachgeschmack. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen in diesen B-Filmen,
die oft Namen tragen wie Karate-Warrior/Tiger/Kid/Fighter, nur zu leicht. Der
Gute und die Bösen unterscheiden sich nicht in ihren Methoden, sondern nur in
ihren Motiven.
Ein häufig zu beobachtendes Schema ist:
Der Held verliert Eltern/Geschwister/alten Freund/Onkel oder ähnlich durch
Mord oder Entführung an den oder die Bösen, was einen ausgiebigen Rache-Feldzug
rechtfertigen soll. Der Held ist entweder ein alter Hase im Kampfgeschäft oder
ein junger Naseweis, der von einem weisen alten Meister unterrichtet wird, bis
er die Bösen besiegen kann.
Trotz der gelegentlich angerissenen moralischen Lehren, bleibt die
Charakterschule des Karate im Hintergrund. Karate wird in den Händen des
disziplinierten Helden zum bloßen Werkzeug, das kämpferische Überlegenheit
garantiert.
Ein Protagonist aber, dessen wesentliche Eigenschaft ist, wie viele
Bretter/Ziegelsteine/Eisblöcke er zerschlagen kann, ist kaum ein geeigneter
Werbeträger für die Sache, die sich Karate eigentlich auf die Fahnen geschrieben
hat. Es ist fraglich, ob die von diesen Filmen angesprochene Zielgruppe genau
die charakterlichen Eigenschaften mitbringt, die im Karate erwünscht sind:
Disziplin, Höflichkeit, Willensstärke.
Das Bild, welches viele nicht mit den japanischen Kampfkünsten Vertraute vom
Karate haben, wird von diesen Filmen geprägt, ist also ein Vorurteil. Auf der
anderen Seite ist nachvollziehbar, dass ein Karateka, dem es aufgrund höherer
Einsicht und Fähigkeit gelingt Konflikte schon im Vorfeld zu entschärfen, kein
geeignetes Filmmotiv darstellt.
Bekannte Schauspieler, die Karate betreiben oder betrieben haben, sind Elvis
Presley, Sean Connery, Wesley Snipes, Dolph Lundgren und Chuck Norris.
Literatur
- Rudolf Jakhel: Modernes
Sport-Karate, Verlag Meyer & Meyer Sport Oktober 2002, ISBN
3-891-24903-9.
- Ralf Pfeifer: Mechanik
und Struktur der Kampfsportarten. Handbuch für Trainer in Kampfsport und
Kampfkunst. Dissertation an der Deutschen Sporthochschule Köln, Verlag
Sport & Buch Strauß, Köln, 2004, ISBN 3-89001-243-4.
- Efthimios Karamitsos,
Bogdan Pejcic: Karate Grundlagen, Verlag Falken 2000, ISBN
3-8068-1863-0.
- Heiko Bittmann: Karatedô
- Meister der vier großen Schulrichtungen und ihre Lehre. Biographien -
Lehrschriften - Rezeption, Verlag Heiko Bittmann, Juni 1999, ISBN
3-000-04098-6.
Karate in Deutschland
Geschichtliche Entwicklung
- 1957 wurde Karate in
Deutschland von Jürgen Seydel, geb. 12. September 1917, eingeführt.
Prominentestes Mitglied war damals der GI Elvis Presley.
- 1961 wurde der DKB Deutscher
Karate Bund gegründet. Bis 1968 leitete Jürgen Seydel den DKB.
- 1967 Fritz Nöpel, damals
4. Dan, eröffnet das erste Goju-ryu Dojo Deutschlands.
- 1968 wurde Kanazawa 1.
Bundestrainer "Chief-Instruktor" des DKB. Lehrgänge
zusammen mit Sugimura, Schweizer Chief-Instruktor, der auch zu den
Pionieren im deutschen Karate zählt.
- 1970 bis 1993 war Ochi
Chief-Instruktor des DKB und des DKV und entwickelte das Karate in
Deutschland kontinuierlich.
- 1975 Nagai wurde
Chief-Instruktor des Shotokan Karate Deutschland SKID
- 1976 wurde der DKV Deutscher
Karate Verband gegründet. Gründungväter waren der DKB, Deutsch-Japanischer
Karateverband (DJKV) und der (Goju-Kai Deutschland (GKD). Das Ziel war in
den Deutschen Sportbund integriert zu werden. Es folgten (Deutsche Karate
Union (DKU), die Sektion Karate des Deutschen Judobundes und die WKD Wado-Kai
Deutschland. 1977 folgte die Anerkennung als Spitzenverband für die
Sportart Karate. Der Deutsche Karate Verband ist vom DSB und NOK anerkannt
und repräsentiert mehrere Stilrichtungen, ca. 120.000 Mitglieder.
- 1993 nach 23 Jahren
Bundestrainer gründet Ochi den Deutschen JKA-Karate Bund (DJKB)
- 1993 treten Karamitsos,
Dietl und Mohr die Nachfolge als Bundestrainer im DKV an.
- 1993 gründete Fritz Nöpel
den Europäischen Goju-ryu Karate Verband (EGKF).
- 2003 wird Ochi der
Nachfolger Enoedas, als Chief-Instructor der JKA Europa.